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Geschichte Haus „Ostsee“


1910

Als „Gast- und Logierhaus“ (OSTSEE HOTEL) durch Emilie und Friedrich Schories gebaut. Typisch für die Region und Seebäder – Balkone und Veranden waren offen – Bäderstil.
Unter großen Entbehrungen und mit viel Mühe wurden in den Folgejahren die Schulden (Hypotheken), die mit dem Hausbau entstanden waren, abgetragen Die ganze Familie war in die Bewirtschaftung des Hauses einbezogen - Frau Schories als Köchin, einer der Söhne, Rudi, betrieb z. B. im östlichen Teil des Hauses eine Bäckerei/Konditorei, ein anderer Sohn, Fritz, war als Kellner tätig.

1938

Der Sohn, Eberhard Schories (geb. 06.03.1911), erbt das Hotel „Zur Ostsee“ und heiratet 1939 Klara Kreienkamp.
Erweiterung des Speisesaals/Gastraumes durch den Einbau von Unterzugsträgern und damit Wegfall der Trägerstützen.

1939

Toiletten-Erweiterungsanbau Nordseite.

1939-1945

Eberhard Schories als Soldat im Krieg und seine Frau Klara muss das Hotel „Zur Ostsee“ allein führen, eine schwere Aufgabe – u. a. muss das Erbteil an die Geschwister von E. Schories ausgezahlt werden. In den Kriegsjahren diente das Haus der "Kinderlandverschickung".

1945-1953

Haus „Ostsee“ wird als „Kindergenesungsheim“ genutzt – mit Gründung der DDR durch die SVK (Sozialversicherungskasse der DDR).

1952-1953

Im Rahmen der „Aktion Rose“ (eine von der Staatssicherheit der DDR forcierte und
kontrollierte Enteignungsaktion von Privatbesitz und Immobilien) wurde auch das Haus „Ostsee“ durch die Behörden der DDR enteignet. Das war der schmerzhafteste Einschnitt in der Geschichte des Hauses.

15.02.1953

Verhaftung von Klara und Eberhard Schories – ihnen wird „Wirtschaftsverbrechen“ gegen den DDR Staat vorgeworfen. Die Kinder von Ehepaar Schories schreiben dazu: „Der Offizier und seine Helferinnen, die die Verhaftung vornahmen, nahmen sich zuerst selbst, was sie aus dem Haushalt unserer Eltern brauchen konnten; der leitende Offizier zog in unsere Wohnung. Da der Staatsanwalt im Kreis Putbus davon ausging, dass das gesamte Vermögen unserer Eltern eingezogen wird, ordnete er die Beschlagnahme an. So wurden sowohl das Eigentum aus der Fischerei wie das aus dem Hotel und das Eigentum aus dem privaten Haushalt im Ort veräußert ohne das Urteil abzuwarten.

01.04.1953

Das Urteil wird gesprochen: „Wegen fortgesetzten und gemeinschaftlich begangenen Wirtschaftsvergehens“ wird Frau Schories zu drei und Herr Schories zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. „Das Ostseehotel der Angeklagten in Thiessow auf Rügen wird eingezogen“.
In der Urteilsbegründung hieß es (Zitat): „Das Verfahren hat gezeigt, dass durchaus die Gefahr gegeben ist, wenn einer Fischer und zugleich Hotelbesitzer ist, dass er Fische aus dem Fang im Hotelbetrieb zu Speisen verarbeitet. Hier muss vorgebeugt werden … in Anwendung des § 16 StPO das Hotel eingezogen“.

13.05.1953

Frau Schories wird nach Verbüßen der Haftstrafe entlassen. Herr Schories wird bereits nach zwei Monaten entlassen, da er als Fischer von der Fischereiproduktionsgenossenschaft "angefordert" wurde.

15.05.1953

Der „neue Eigentümer“ wird im Grundbuch eingetragen: „Eigentum des Volkes; Rechtsträger: Ministerium des Inneren der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik – später dann der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund).

16.11.1953

Rückübertragung des Eigentums an Ehepaar Schories.
Die Kinder von Ehepaar Schories, als Zeitzeugen, schreiben dazu weiter:
„Stalin war im März gestorben. Auch die Ereignisse um den 17.Juni 1953 hatten dazu geführt, dass der Staat vorsichtiger wurde. War das „Ostseehotel“ am 01.07.1953 noch in Rechtsträgerschaft des FDGB übergegangen, kam es auf Beschluss des Rates des Bezirkes Rostock zur Rückübertragung des Eigentums auf unsere Eltern am 16.11.1953. Dies war allerdings mit der Auflage verbunden, in einem Pachtvertrag für den Gaststättenbereich und einem Mietvertrag für die Zimmervermietung dem FDGB das Haus zur Bewirtschaftung zur Verfügung zu stellen. Mit den Erlösen aus dieser Verpachtung und Vermietung, die sehr gering waren, war weder das Haus zu erhalten noch der Lebensunterhalt zu begleichen. Nur dem Umstand, dass unser Vater von seinem Vater das Recht zum Fischen übernommen hatte und der Fischereiproduktionsgenossenschaft beigetreten war, ist es zu verdanken, dass die Eltern nicht gezwungen waren, das Haus zu veräußern.“

Oktober 1954

Fam. Schories darf wieder mit ihren zwei Kindern in das Haus „Ostsee“ einziehen – zwischenzeitlich wohnten sie beim Bruder in Klein Zicker, danach in einer kleinen Mietwohnung in Thiessow.

1953-1989

„Im Zusammenhang mit der Aktion Rose waren viele Betroffene nach dem Westen geflüchtet; unser Vater brachte es nicht übers Herz, obgleich manche Sachen sicherheitshalber schon nach Westdeutschland zu Verwandten gebracht worden waren. Er hing zu sehr an seiner Heimat und an diesem Haus, für das er sein Leben eingesetzt hatte und für das schon seine Eltern so viel eingesetzt hatten. Die „Aktion Rose“ hat unsere Eltern zutiefst verletzt.“ (Zitat aus der Niederschrift der Kinder).
Eberhard Schories war jetzt „nur noch“ Fischer. Klara Schories hat auf ihren Namen, für den DDR Feriendienst, das Haus betrieben. Das bedeutete u. a. sie war für die Reinigung des Hauses – ca. im 14-tägigen Rhythmus – eigenständig verantwortlich. Dafür erhielt sie pro Bett eine Pacht von 1,80 DDR-Mark.
Der DDR Feriendienst hat zudem das im Erdgeschoss befindliche Kaffee durch eine fremde Person betreiben lassen. Um es mit einem Satz zusammen zu fassen – sie waren zwar Eigentümer, aber ohne Mitspracherecht. Der DDR Feriendienst schaltete und waltete wie er wollte. Über einen längeren Zeitraum war dann das Haus zentrale Anlaufstelle (Art Rezeption) für die Gäste des Feriendienstes.

80-iger Jahre

Ehepaar Schories versucht das Haus aus den Händen des FDGB freizubekommen – vergeblich. Im Gegenteil, der FDGB-Feriendienst will das Haus „Ostsee“ abkaufen und bietet einen Mietkauf an – 10 Raten in Höhe von jeweils 3.000 DDR-Mark (geschätzter Wert des Hauses = 58.000 DDR-Mark) – Zitat von Herrn Schories - 1984: „Für eine Aktentasche gebe ich mein Haus nicht. Ihr werdet sehen, es kommt noch einmal anders.“

1989

Die Wende - und es kam anders!

1990

Frau Schories stellt einen Rehabilitationsantrag. Diesem wurde statt gegeben. Allerdings erreichte Frau Schories (verstorben 16.09.2001) die Rehabilitationsurkunde nicht mehr zu ihren Lebzeiten. Gerade an ihrem Sterbetag ging diese Urkunde ein.
Herr Schories stellte zudem einen Entschädigungsantrag – für die Haftmonate und das verschwundene bzw. veräußerte Privateigentum (es sollte genau aufgelistet werden - nach der langen Zeit ein schwieriges Unterfangen).
Eine Entschädigung wurde gezahlt – ein kleiner Baustein für dringende Sanierungsarbeiten im Haus „Ostsee“ – eine Gasheizung wurde u. a. eingebaut.

1992

Herr Schories bemüht sich um einen Nutzungsvertrag mit dem Hospiz am Bahnhof Berlin Friedrichstraße. Dieser kommt nicht zu Stande.

1993-1999

Herr Schories führt von 1993 bis 1999 mit Hilfe von Frau Neumann (Nachbarin) und einer Angestellten aus dem Ort (Frau Tietz) das Haus „Ostsee“ als Pension (Zimmervermietung mit Frühstück).

15.08.2003

Hochbetagt verstirbt Herr Eberhard Schories im Haus „Ostsee“.
Probst i. R. Herr Friedrich Harder, Schwiegersohn von E. Schories, schreibt: „In der Rückschau hat er sein Leben, insbesondere in den Jahren des Krieges, aber auch in den schweren und auch wieder erfolgreichen Jahren der DDR-Zeit (als Fischer), in denen er seine Geschwister auszahlen und das Haus schuldenfrei machen konnte, als ein von Gott geführtes und bewahrtes Leben gesehen. In dieser Gewissheit hat er nach der Wende sein Haus weitergeführt, ist für einige Zeit ins Altenheim nach Stralsund gegangen, um dann noch einmal drei Jahre in seinem Haus, von Frau Neumann lieb umsorgt, zu leben und zu sterben.“

02.01.04

Das Haus und Grundstück wird lt. notariellem Kaufvertrag durch den Landeskirchlichen Gemeinschaftsverband Vorpommern e. V. übernommen.
Verhandlungen mit dem Sozialministerium MV und Bundesministerium für Familie Frauen und Jugend bzgl. Bezuschussung für die Sanierung des alten Gebäudes.

März 2004

Beginn der ersten Sanierungsarbeiten am Gebäude.

13.05.2004

Koordinierungsgespräch mit zuständigen Vertretern von Bund und Land. Im Ergebnis erfolgt eine Anerkennung der Konzeption – Familienurlaub für einkommensschwache und bedürftige Familien.

Juni 2004

Abschluss grundlegender Sanierungsarbeiten wie Trockenlegung des gesamten Gebäudes – neue Fußböden, neue Heizung und Sanitärinstallation im gesamten Gebäude, Dachsanierung, Einbau einer Küche für die Gästeversorgung, Einbau von Gästeküchen auf den Etagen.

25.06.2004

Anreise der ersten Gäste.

November 2004

Nach einer gut belegten Saison, werden die Sanierungsarbeiten fortgeführt – Abriss alter Bausubstanz hinter dem Haus (Nord-Westseite), Erneuerung der Elektroanlage, Einbau einer Lüftungsanlage für die Küche, Sanierung der Veranda mit neuem Fußboden, Fußbodenheizung, Sanierung der Außenfassade mit Wärmedämmverbundsystem, neue Fenster, Fertigstellung der Außenanlagen – Geländeanhebung, Parkplatz, Anlegen eines Kinderspielplatzes.

30.04.2005

Es reisen wieder Gäste an – eingeschränkte Nutzung ist möglich – d. h. witterungsbedingt (strenge Fröste und Stürme) hatten sich der zweite Abschnitt der die Sanierungsarbeiten verzögert.

30.06.2005

Abschluss der Bauarbeiten 1. Bauabschnitt

Oktober 2012

Realisierung 2. Bauabschnitt – Modernisierung und Erweiterung – jetzt 45 Betten, davon 4 Familienzimmer mit DU/WC, liebevoll sanierter Altbau mit neuen Etagenduschen und -WC, Fahrstuhl im Haus, erweiterte Gästeküchen und Aufenthaltsräume, neue gemütliche Veranda und Spielräume auf den Etagen

Ende 2013

Abschluss 2. Bauabschnitt und damit Fertigstellung der Gesamtmaßnahme „bezahlbarer Familienurlaub auf Rügen für einkommensschwache und bedürftige Familien“.

 

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